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6 Don’ts bei Bewerbungsschreiben

Bei Bewerbungscoachings mit Klienten, die das Problem haben, dass sie fast nie zu Vorstellungsgesprächen eingeladen werden, fallen mir immer wieder 6 ganz typische Fehler in den Unterlagen auf:

1. Zu lange Bewerbungen

  • Die Idee der Bewerber ist meistens: „Ich muss alles liefern, was ich je gemacht habe und darf nichts verschweigen.“ Und dann erstellen manche Kandidaten so umfangreiche Bewerbungsdossiers, dass sie sie auf 2 E-Mails verteilen müssen. Aber auch nicht ganz so extreme Fälle sind manchmal einfach erschlagend für den Empfänger (Rekord war in meinen Bewerbungscoachings ein 36-seitiges Dossier).
  • Ich versetze mich bei der Vorbereitung der Beratungssitzungen immer in die Lage des Personalers, der das Dossier erhält. Wenn der Umfang zu gross wird und ich in Unterlagen ersticke, dann geht es mir ähnlich wie meinem Drucker: Ich fange an zu qualmen… Mir kommen dann schnell mal so Gedanken wie „ist die Person völlig selbstverliebt?“ oder „komplett unstrukturiert?“ oder „der/die kann nicht auf den Punkt kommen“ „was denkt der/sie sich eigentlich?“. Kein förderliches erstes Urteil für eine erste Entscheidung, ob man zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden soll.
  • Bitte bedenke bei der Zusammenstellung Deiner Unterlagen, dass es sehr schnell als Zumutung empfunden werden kann, wenn der Empfänger sich durch Unmengen Dokumente wühlen muss. Wie soll er oder sie daraus auf die Schnelle die wichtigsten Informationen ziehen können? Personaler haben meistens nur sehr begrenzt Zeit (viel weniger, als ich mir bei der Vorbereitung nehmen kann), um sich einen ersten Eindruck zu verschaffen. Es gibt Statistiken, die besagen, dass viele Recruiter nur 30-60 Sekunden(!) Zeit für den ersten Eindruck haben. Wie mag dieser ausfallen, wenn sich der Empfänger aufgrund der Dokumentenmasse regelrecht genötigt fühlt?
  • Mach Dir Gedanken, was der Recruiter wirklich wissen muss, damit er innerhalb kürzester Zeit beurteilen kann, ob Du für die ausgeschriebene Position die richtigen Qualifikationen mitbringen würdest. Sind sie vorhanden dann steht – in dieser Hinsicht – auch einer Einladung zu einem Vorstellungsgespräch nichts im Weg.

2. Irrelevante Informationen in der Bewerbung

Oftmals habe ich den Eindruck, dass die Bewerber die Stellenausschreibung gar nicht (sorgfältig) gelesen haben.

  • Statt auf die geforderten Qualifikationen einzugehen, werden Unmengen Details zu früheren Tätigkeiten aufgeführt, die absolut nichts mit der angestrebten Position zu tun haben.
  • Nein, es geht nicht darum zu zeigen, was Du schon alles im Leben gemacht hast, sondern es geht um die konkrete Besetzung einer Stelle, für die man ganz konkrete Kenntnisse, Fähigkeiten und Erfahrungen mitbringen muss. Darum sind dann auch Kursbescheinigungen, für Kurse, die ebenfalls absolut nichts mit der neuen Tätigkeit zu tun haben, irrelevant.
  • Wenn Französisch-Kenntnisse ein Muss sind, dann ist es vielleicht (!) interessant, wenn Du aufführst, dass Du Mandarin und Arabisch sprichst, aber in erster Linie solltest Du Angaben zu Deinen Französischkenntnissen machen. Wenn aus der Stellenausschreibung nicht so klar ersichtlich ist, wie wichtig diese Kenntnisse sind, ruf vorher an und kläre ab, inwiefern es ein Problem ist, wenn Du kein oder nur wenig Französisch kannst. So kannst Du Dir und der Personalabteilung im Zweifelsfall eine unnötige Bewerbung ersparen..
  • Informationen werden oftmals doppelt und dreifach im Lebenslauf aufgeführt, nach verschiedenen Sichtweisen gegliedert. Einmal gut strukturiert und durchdacht untergebracht reicht völlig. Ausnahme: Die Zusammenfassung der relevanten „Highlights“ im Kurzprofil am Anfang des Lebenslaufs sowie die Erwähnung im Anschreiben. Wenn Du Dich hingegen im Lebenslauf total verzettelst, hinterlässt Du schnell mal den Eindruck, dass Du zu perfektionistisch und zu detailverliebt bist. Und dass Du eventuell nicht in der Lage bist, Informationen strukturiert und empfängergerecht aufzubereiten – eine Fähigkeit, die für viele Jobs sehr wichtig ist.

Summa summarum: Ein Personaler muss wissen, wie und wo Du Dir Deine Kenntnisse, Kompetenzen und Erfahrungen angeeignet hast, die für die Stelle, die er besetzen muss, relevant sind. Darüber hinaus noch ein paar Infos zu Deiner Person, so dass man sehen kann, wer Du als Mensch bist. Nicht um Dich zu verurteilen, sondern um einschätzen zu können, ob Du in die Firmenkultur, das Umfeld, das Team etc. passen könntest. Nicht mehr und nicht weniger.


 

 

3. Zu kurze Bewerbungen

  • Auch nicht von Vorteil sind die ganz kurzen Bewerbungen, in denen nur ganz knapp die letzten Positionen aufgeführt sind – vielleicht noch mit ein paar kryptischen Tätigkeitsbeschreibungen (interner Firmenjargon, 1:1 entnommen dem Arbeitszeugnis, für Aussenstehende nicht immer verständlich).
  • Sehr nachteilig ist eine solche Bewerbung, wenn die wenigen Infos dann noch zusätzlich irrelevant erscheinen und somit keinerlei Bezug zur angestrebten Tätigkeit erkennen lassen.
  • Es wird in solchen Bewerbungen meistens auch darauf „verzichtet“, heraus zu arbeiten, welche Erfahrungen, Kenntnisse etc. die Person für die angestrebte Position mitbringen würde. In den Bewerbungscoachings staune ich dann immer, was die Bewerber mir alles über ihren beruflichen Hintergrund erzählen, was für jeden Recruiter sofort interessant wäre. Diese Bewerber hoffen darauf, dass sie eingeladen werden um das alles erzählen zu können. Ein Trugschluss, denn diese Selbstpräsentation geht in einem Arbeitsmarkt mit vielen Konkurrenten einfach unter – insbesondere, wenn es die Konkurrenten besser gemacht haben. Und schon landet die eigene Bewerbung auf dem Absagestapel und man erhält eine Standardabsage.

4. „Steht doch alles in meinen Bewerbungs-Unterlagen“

  • Manche Bewerber legen zwar sorgfältig jede Menge wichtige Unterlagen bei, unterlassen es aber, die relevanten Informationen im Lebenslauf und im Anschreiben hervorzuheben. – „Das findet man doch alles in meinen Unterlagen.“ – Ja, stimmt, wenn man sich eine Stunde Zeit nehmen würde um sich rein zu denken und alles durch zu lesen und die gut verstreuten Hinweise in Zeugnissen und Bescheinigungen zu finden.
  • Das funktioniert vielleicht bei Stellenausschreibungen, für die es keine Konkurrenz gibt, aber wie soll ein Personaler so viel Zeit aufbringen, wenn er zig Bewerbungen bekommt? Was würdest Du an seiner Stelle tun? – Genau – er wird eher die Bewerber einladen, die ihm die Arbeit leichter gemacht haben. Wer würde das nicht so machen?

5. Fehler bei den E-Mail-Anhängen

  • E-Mail-Bewerbungen sind mittlerweile „gang und gäbe“. Man kann die Dokumente einfach anhängen und die Personalabteilung hat die Bewerbung in Sekundenschnelle. Das Erstellen einer gedruckten Bewerbungsmappe entfällt.
  • Schön für den Bewerber, schwierig für den Personaler, wenn der Kandidat sich nicht die Mühe macht, ein digitales Dossier zu erstellen. Manche Kandidaten hängen sämtliche Dokumente einzeln ans E-Mail an. Das ist für den Empfänger absolut unübersichtlich, schwierig zum Ausdrucken und zeitaufwändig. Insbesondere, wenn dann noch kryptische Dateinamen verwendet werden „scan345.pdf“. – Und man ahnt es, es kommt nicht gut an.
  • Es sieht insbesondere bei Kandidaten, die später in einem Büroumfeld arbeiten möchten und eigentlich mit moderner Technik souverän umgehen können sollten (unter IT Kenntnissen dann „sehr gut“ aufgeführt haben), nicht wirklich gut aus. Man liefert auch gleich eine Arbeitsprobe mit, wie man denn gedenkt, seine Vorgesetzten und Kollegen in Zukunft mit E-Mails „bombardieren“ zu wollen.
  • Ich empfehle immer, Dokumente wie Lebenslauf und Zeugnisse mit einem pdf-Tool in einer Datei zusammen zu fassen. Dafür gibt es am Markt jede Menge Gratis-Tools. Einfach mal googeln. Es lohnt sich, die Dokumente – wie früher in einer Mappe – sorgfältig zu einem digitalen Dossier zusammenzufügen (Reihenfolge beachten). Extra-Tipp: Hat man bereits viele relevante Dokumente als Anhänge, lohnt es sich, zwischen Lebenslauf und Anhängen eine Übersichtsseite anzufertigen.
  • Das Anschreiben kann man separat anhängen und zusätzlich direkt ins E-Mail kopieren. Ich würde es immer zusätzlich noch mit anhängen – manchmal wird das E-Mail nicht richtig angezeigt (insbesondere zwischen Mac und PC-Outlook gibt es manchmal Probleme), dann ist es auf jeden Fall vorhanden.

6. Rechtschreib- und Grammatikfehler

Leider ist dies auch in Zeiten von PC-Programmen mit Rechtschreibkorrektur ein Thema.

  • So kann es auch durchaus vorkommen, dass eine Bewerbung auf eine Position, für die eine „sorgfältige und korrekte Arbeitsweise“ gefordert ist, selbst im Namen des Empfängers schon einen Tippfehler hat. Was sagt das über die Arbeitsweise des Absenders aus??? Eben….
  • Mein Tipps: 1. Rechtschreibkorrektur des PCs verwenden. 2. Nach der Fertigstellung die Dokumente nochmals ausdrucken und Zeile für Zeile nach Fehlern durchsehen. 3. Wenn möglich, noch eine weitere Person zum Korrekturlesen hinzuziehen.

Also sorgfältig arbeiten, Stellenausschreibung studieren, nicht auf Masse sondern auf Klasse hinarbeiten – dann steigen auch die Chancen endlich eingeladen zu werden.


Foto: © eccolo – Fotolia.com

 

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