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8 Tipps für Deine Bewerbung 50plus

Immer wieder höre ich von Klienten und im Bekanntenkreis, dass Leute ab 50 (oder sogar schon ab 40) Panik bekommen, wenn sie einen neuen Job suchen müssen. Und das Umfeld „füttert“ die Panik mit Bemerkungen wie „das ist praktisch chancenlos“, „in dem Alter findest Du nix mehr“, „Du bist zu alt…“
 
Aber stimmt das wirklich? Ist die Jobsuche in diesem Alter wirklich chancenlos? – Die Bewerbung ist für 50plus schwieriger und kann auch länger dauern. Aber es ist nicht unmöglich einen neuen Job zu finden, wenn man ein paar Dinge bei der Jobsuche beachtet:
 

Tipp 1 – Werde so schnell wie möglich aktiv!

Wenn Du eine Kündigung erhälst, solltest Du Dich sofort aktiv um eine neue Stelle kümmern. Warum ist das so wichtig?

  • Solange Du noch nicht arbeitslos bist, wirst Du psychologisch anders wahrgenommen. Der „Arbeitslosenstempel“ senkt Deine Chancen leider deutlich.
  • Dein Selbstwertgefühl ist in dieser Phase noch besser und somit „verkaufst“ Du Dich auch besser.
Selbst wenn Du nur den Verdacht hast, dass eine Kündigung auf Dich zukommen könnte, werde schon vorzeitig aktiv. So gewinnst Du wertvolle Zeit, die Dir hinterher fehlen könnte.
 

 

Tipp 2 – Nutze Dein Netzwerk für Deine Bewerbungen

Die grössten Chancen hast Du (und ich behaupte mal, dass Du ab 50 nur noch über Dein Netzwerk eine echte Chance hast), wenn Du in Deinem Netzwerk aktiv wirst. Auch wenn Du kein grosser Netzwerker bist, hast Du wahrscheinlich mehr Kontakte, als Dir auf Anhieb einfallen!

Verlinke Dich mit aktuellen und ehemaligen Arbeitskollegen auf Linkedin und Xing, besuche Netzwerkveranstaltungen, Seminare, Vorträge zu Deinem Fachbereich und lerne so neue Leute kennen. Leg Dir einen Kurzlebenslauf an, den Du schnell und einfach weitergeben kannst. Trau Dich zu kommunizieren, dass Du auf Stellensuche bist. Formuliere den Elevator Pitch, den Du bei Bedarf überzeugend vortragen kannst. Die meisten Leute sind sehr hilfsbereit – mehr als Du denkst.

Ich habe kürzlich zahlreiche Interviews mit Leuten geführt, die (weit) über 50 und zum Teil schon länger auf Stellensuche sind. Was war die Aussage, die ich am meisten zu hören bekommen habe, als ich nach ihren Erfahrungen Empfehlungen für die Jobsuche gefragt habe? – „Ach hätte ich mir doch in den letzten Jahrzehnten ein Netzwerk aufgebaut! Das fehlt mir im Moment am meisten!“ – Also, was könntest Du heute als ersten Schritt tun, um Dein Netzwerk ein kleines bisschen zu verbessern?

Du brauchst noch mehr Tipps rund ums Netzwerken? Dann lies meine 7 Networking-Tipps.

Tipp 3 – Sei Dir bewusst, dass es keine Schande ist, dass Du auf Jobsuche bist!

Viele fallen durch die Kündigung in eine Schockstarre oder Trauerphase, die sie ausbremst. Such Dir Unterstützung, damit Du trotz des absolut verständlichen Schocks eben nicht in eine Starre verfällst. Unser grösster Feind ist meistens unsere innere Selbstverurteilung: „Jetzt werde ich auf das Altengleis abgeschoben“, „Ich bin jetzt nichts mehr wert“,  „Was sollen die Leute denken, dass ich gekündigt worden bin“. Nonsense!

Diese Gedanken sind absolut hinderlich und bewirken, dass Du Dich frustriert zuhause versteckst. Dort wirst Du aber keinen neuen Job finden, auch und gerade dann nicht, wenn Du stundenlang auf Jobbörsen surfst. Mach Dir klar, dass Du ganz viel kannst, mitbringst und setze nicht die Kündigung mit einer Degradierung Deines Selbstwertes gleich. Du bist immer noch derselbe wertvolle Mensch, der nun durch eine schwierigere Phase muss – aber: Meistens reifen wir genau dann und jede Krise bietet auch eine grosse Chance für etwas Neues. Richte Deinen Fokus darauf! Was könnte ein Wechsel und ein neuer Anfang an Positivem beinhalten? Worauf könntest Du Dich freuen?

Tipp 4 – Sei konkret bei Deiner Suche

In Panik irgend etwas suchen, ist nicht hilfreich. Kein Unternehmen sucht irgendeinen Mitarbeiter. Gesucht werden Spezialisten, Experten, „Problemlöser“. Mach Dir klar, mit welchen Erfahrungen, Kompetenzen und Fähigkeiten Du aus der Masse heraus stichst und für wen genau Du der Problemlöser sein könntest.

„Entwicklungsfähigkeit“ und „Lernbereitschaft“ sind Kompetenzen, die man eher von Jüngeren erwartet, die noch nicht genau in eine bestimmte Nische passen und erst noch entwickelt werden müssen. Dieser Entwicklungsprozess eines jüngeren Mitarbeiters kostet Zeit und Geld. Nicht alle Unternehmen haben diese Zeit und dann könntest genau Du derjenige sein, der mit seinem ganzen Wissens- und Erfahrungsrucksack parat steht und sofort produktiv werden könnte. Daraus folgt auch:

Tipp 5 – Je älter Du bist, desto weniger solltest Du etwas ganz Neues anstreben

Je älter Du bist, desto weniger solltest Du etwas ganz Neues anstreben, denn dann bringst Du weniger Erfahrung mit und konkurrierst mit Jüngeren – dann ist es wahrscheinlicher, dass Du „den Kürzeren“ ziehen wirst. Bleibe also bei Deinen Erfahrungen und Kompetenzen und stelle sie in den Vordergrund!

Wenn Du einen grösseren Wechsel willst, strebe ihn sanft an – schau rechts und link, welche Fähigkeiten sich auch auf andere Bereiche sehr gut übertragen lassen, so dass Du auch dort den Jüngeren mit Deinen Erfahrungen eine Nasenlänge voraus wärst.

Überlege Dir, welche Vorteile Dein fortgeschrittenes Alter aus Sicht des Unternehmens hätte – zusätzlich zu Deiner Erfahrung. Beispiele

  • Ältere Mitarbeiter können sich schneller einarbeiten als jüngere Mitarbeiter, da Sie viel Routine mitbringen.
  • Wenn man mehr Erfahrung hat, kann man oftmals besser und gelassener mit konfliktreichen Situationen umgehen.
  • Gerade in Beratungsberufen, werden reifere Mitarbeiter von Kunden besser akzeptiert.
  • Ab einem gewissen Alter strebt man keine grossen Karriereziele mehr an und wird nicht in 1-2 Jahren schon wieder wechseln oder am Stuhl des Vorgesetzten sägen wollen.
  • Wenn man schon älter ist, ist man meistens nicht mehr durch familiäre Themen unter Druck oder abgelenkt.
  • Erfahrene Mitarbeiter bringen oftmals ein grosses (wertvolles!), ausgereiftes Netzwerk mit.

Erstelle Deine individuelle Vorteilsliste und überlege Dir, wie Du sie gezielt in Deine Bewerbungen mit einfliessen lassen kannst – sei es in direkten Kontakten mit Deinem Netzwerk oder in Deine Bewerbungsunterlagen.

Tipp 6 – Erschlage das Unternehmen nicht mit Deinem gesamten Hintergrund in Deinen Bewerbungen

Nicht zu viele Infos in der Bewerbung - So kann es klappen - ©brennemann-coaching.ch

Meistens hat man während seiner beruflichen Laufbahn verschiedene Fähigkeiten erworben und Erfahrungen gesammelt und grosse Mengen an Zeugnissen und Referenzen in der Tasche. Konzentriere Dich auf die relevanten Erfahrungen und Kompetenzen der letzten 10-15 Jahre. Diese solltest Du in Deiner Bewerbung und für Deine Jobsuche herausarbeiten und hervorheben.

Alles davor sollte kurz und knapp aufgeführt werden. Lass Zeugnisse weg, die niemanden mehr interessieren und biete sie „auf Anfrage“ an. Wen interessiert heute noch ein Excel-Kurs Zertifikat von 1998?

Tipp 7 – Signalisiere mit modernen Bewerbungsunterlagen, frischem Auftreten und aktuellem Wissen, dass Du immer noch am Ball bist

…und nicht die letzten Jahre „absitzen“ willst. Wenn Du Lücken im IT-Bereich hast oder nicht auf Jobplattformen wie Linkedin oder Xing dabei bist, fütterst Du das Vorurteil, dass Du den Anschluss verpasst hast. Füll die Lücken schnellstens auf (sofern sie für Deine angestrebte Tätigkeit relevant sind) und stell sicher, dass Du diesbezüglich mindestens auf Augenhöhe mit Jüngeren bist.

Vielleicht kannst Du auch noch eine Fortbildung starten, die Deine bisherigen Lebenslauf wertvoll ergänzt und Dich noch attraktiver für Unternehmen macht? Beispiele: Ein Kurs in agilem Projektmanagement, wenn Du jetzt schon als Projektleiter arbeitest oder eine Weiterbildung als Coach, die Dich zu einem guten Mentor für jüngere Kollegen machen würde. Wie kannst Du zeigen, dass Du noch motiviert bist und noch etwas geben möchtest?

Vermeide unnötige Hinweise auf Dein Alter, also keine Formulierungen wie «Mit meinen 55 Jahren, habe ich bereits 20 Jahre Erfahrung im Bereich xy…» «Mit meinen 52 Jahren möchte ich nochmals richtig durchstarten…» Und rechtfertige Dich nicht für Dein Alter. Lerne selbstbewusst und selbstverständlich mit Deinem Alter umzugehen – sonst übertragen sich Deine Zweifel auf Dein Gegenüber.

Tipp 8 – Sei flexibel bei Deinem Gehalt und Deiner Arbeitszeit

Wenn Du sehr teuer bist, ist es natürlich attraktiver, jemanden einzustellen, der jünger und billiger ist oder die Stelle ins Ausland zu verlegen. Du sollst Dich nicht komplett unter Wert verkaufen, aber wenn Du bereit bist, auch finanzielle Einbussen hinzunehmen, steigen Deine Chancen. Vielleicht wäre jetzt auch der ideale Zeitpunkt um Deine Arbeitszeit etwas herunterzufahren und Dich mit Blick auf die Zukunft auch Deinen Interessen mehr zu widmen? Neudeutsch: „Downshifting“.

Das ist natürlich kein leichter Schritt, aber es könnte Dir helfen, eine (längere) Arbeitslosigkeit zu verhindern, die meistens mit viel grösseren finanziellen Einbussen verbunden ist.

Welche Tipps würdest Du Dir noch wünschen?

Ist noch etwas offen geblieben? Dann hinterlass‘ mir doch einfach einen Kommentar. Ich geh gerne darauf ein.

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