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Burnout oder bloss erschöpft?

Burnout ist mittlerweile zum Modebegriff geworden. Jemand ist am Ende eines mehrwöchigen Projektes mit vielen Überstunden sehr erschöpft und teilt seinen Freunden am Freitagabend per SMS mit – „Sorry, kann heute nicht mit ins Kino, bin total ausgebrannt. Ich glaub ich bin nahe am Burnout.“

Sind wir schon nahe am Burnout, wenn wir uns mal so richtig ausgebrannt fühlen?

Stressmanagement Coaching als Burnout-PräventionWahrscheinlich in den meisten Fällen erstmal nicht. Eine grosse Erschöpfung nach einer harten Arbeitsphase ist völlig normal. Was dann hilft: Ein bisschen Ruhe, vielleicht ein paar Tage Auszeit, die eigenen Energietankstellen anlaufen, Erholung, ausreichend Schlaf und Bewegung. Sind die nächsten Wochen dann nicht mehr so stressig, erholen wir uns nach und nach und sind vielleicht schon am nächsten oder übernächsten Wochenende wieder so fit, dass wir ausgehen möchten.

Anders sie es aus, wenn wir wiederholt keine Gelegenheit haben uns zu erholen.

In der heutigen Arbeitswelt kommt es nicht selten vor, dass ein Projekt das nächste jagt – und so ist keine Zeit für Erholung und Musse. Pflichtbewusst raffen wir uns dann am Montag wieder auf, immer noch müde und erschöpft, um uns dann gleich wieder in Unmengen Arbeit und Verantwortung zu stürzen. Aber es fällt schwerer – wir haben uns noch nicht richtig erholt, die Batterien sind nur teilweise wieder aufgeladen. Die Arbeitsberge wirken irgendwie höher, die Motivation ist nicht mehr so, wie sie mal war, obwohl wir unseren Job doch eigentlich lieben. Wie sollen wir das nur schaffen? Abends fallen wir todmüde ins Bett, kein Gedanke mehr an Hobbys oder Freizeit. Ausgehen? Bloss nicht. „Ich will nur noch meine Ruhe haben“.

Willkommen inmitten der Burnout-Spirale…

Burnout Spirale - Brennemann CoachingUnd so vergeht Woche um Woche und das Gefühl, der Lage nicht mehr Herr zu werden wächst stetig an. Urlaub bringt nur kurzfristig etwas Entspannung, nach der Rückkehr fühlen wir uns gleich schon wieder urlaubsreif. Durchschlafen wird – trotz grosser Müdigkeit – immer schwieriger oder wir wachen grübelnd noch vor dem Wecker auf. Bei der Arbeit sind wir unkonzentriert, es passieren erste Fehler, das Gedächtnis lässt nach – Könnten das erste Zeichen von Alzheimer sein? Der Rücken schmerzt, die Haut wird fahl und wenn wir in den Spiegel schauen erkennen wir uns kaum noch. Wir „reissen uns am Riemen“, gegen Fehler, Konzentrationsschwäche und nachlassende Produktivität gehen wir mit noch mehr Nachdruck, Arbeitswillen und Überstunden an. Es muss doch zu schaffen sein. Ging doch früher auch immer. „Stell Dich doch nicht so an, andere sind auch müde.“ Müüüüüde. Ja, ganz viel schlafen, das wäre schön. „Du hast einfach keine Zeit mehr für mich“ meckert der Partner oder die Partnerin und unsere Freunde haben wir auch schon seit Wochen nicht mehr getroffen. „Ach geh doch alleine aus, ich hau mich einfach heute mal früher hin. Habe doch die letzten Wochen so schlecht geschlafen.“ „Ich kenn Dich kaum noch wieder“ kommt zurück, aber wir antworten nur noch mit „Ach lass mich doch einfach“.

So kann es noch Wochen, Monate, manchmal auch Jahre weitergehen…

Kleine Erholungsphasen gaukeln uns vor, wir seien auf dem Weg der Besserung und wir wollen das gerne glauben. Die psychosomatischen Probleme nehmen zu: Eine Erkältung nach der anderen, Schmerzen im Körper und Hautprobleme. Hinzu kommen Gedächtnisstörungen, Traurigkeit, immer weniger Freude an der Arbeit, vielleicht sogar ein Hass darauf. Immer kräftigeres Gegenanstrampeln im Hamsterrad mit dem Bewusstsein es nicht schaffen zu können und doch weiter, weiter, weiter… „Ich muss einfach nur noch mehr Gas geben, dann klappt das schon. Geht den anderen doch genauso“. Irgendwann nehmen wir auch die Schmerzen im Körper kaum noch wahr – „Aah, es scheint uns besser zu gehen“ ist unsere fatale Schlussfolgerung. Schon längst ist unser Gehirn so überflutet mit Stresshormonen, dass es nur noch mit halber Kraft und Tunnelblick arbeiten und keine wohlüberlegten Entscheidungen mehr treffen kann! Eine innere Leere folgt der Müdigkeit, Freude ist ein Fremdwort, wir fühlen uns innerlich tot. Das Umfeld signalisiert uns, dass wir uns irgendwie verändert haben, aber wir sind zu leer und müde darauf hören zu können „Ach lasst mich doch einfach, ich gebe mir doch Mühe.“.

So oder ähnlich sieht das Innenleben aus, wenn wir tatsächlich auf einen Burnout zusteuern. Das Gemeine ist, dass er ganz vielfältige Gesichter haben kann und deshalb nicht so einfach zu erkennen ist, weder für unser Umfeld, noch für unseren Hausarzt und erst recht nicht für uns als Betroffene. Die Schilderung oben war somit nur ein Beispiel für eine „Burnout-Spirale“.

Hilfe ist notwendig

Wenn Ihnen Ihr Umfeld signalisiert, dass etwas nicht stimmt, wenn Sie eine leise Ahnung beschleicht, dass Sie betroffen sein könnten (nein, es trifft nicht immer nur die Anderen!) suchen Sie sich Hilfe – bei einem Hausarzt, einem Psychotherapeuten, einem qualifizierten Coach o.ä. Es ist fast unmöglich, alleine die Kurve zu bekommen. Und holen Sie sich im Zweifelsfall mehrere Meinungen. Nicht jeder Arzt, Therapeut oder Coach ist mit dem Thema schon umfassend vertraut. Lassen Sie sich bei der Suche nach Hilfe von Ihrem Partner / Ihrer Partnerin oder von Freunden und Familie unterstützen und vertrauen Sie auch auf Ihr Bauchgefühl, wenn es darum geht, was Ihnen wirklich helfen könnte, denn auch nicht jede Therapie ist für jeden gleich geeignet.

Fotos Fotolia.com: © VRD, © lichtmeister, © Roman Sigaev

Zusatzinfos

Link: Einfacher Burnout-Test für eine erste Selbsteinschätzung.

 

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Kommentare

  1. Rieder  März 1, 2016

    Das ist ja das Dilemma. Alleine bekommt man die Kurve nicht, und wenn man jemanden aus dem näheren Umfeld sagt, man leide unter Burnout, wird man oft nicht für Ernst genommen. Schnell wird es abgetan mit, stell Dich nicht so an, wir alle haben Stress im Beruf. Es gibt nun mal keinen Burnout Test, der wie bei einem Pustomaten bei Alkohol innerhalb kurzer Zeit, das man daran leidet

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